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Viktor OrbĂĄn
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Viktor MihĂĄly OrbĂĄn [] (ungarisch OrbĂĄn Viktor; * 31. Mai 1963 in SzĂ©kesfehĂ©rvĂĄr, VR Ungarn) ist ein ungarischer Politiker, MitbegrĂŒnder und – mit einer Unterbrechung – seit 1993 Vorsitzender der Partei Fidesz – Ungarischer BĂŒrgerbund. Er war von 1998 bis 2002 und ist seit 2010 erneut MinisterprĂ€sident von Ungarn; dazwischen war er OppositionsfĂŒhrer. Er ist damit der am lĂ€ngsten amtierende MinisterprĂ€sident Ungarns und zugleich der dienstĂ€lteste Regierungschef innerhalb der EuropĂ€ischen Union. Auf internationaler Ebene war er von 2002 bis 2012 einer der VizeprĂ€sidenten der EuropĂ€ischen Volkspartei und ist seit 2001 einer der VizeprĂ€sidenten der Christlich Demokratischen Internationale.

Seit seiner Wahl zum MinisterprĂ€sidenten 2010 baute Viktor OrbĂĄn seine Macht im Amt systematisch aus. Mit der Zweidrittelmehrheit seiner Fidesz-Partei wurde ab 2011 das ungarische Wahlsystem zu Ungunsten der Oppositionsparteien abgeĂ€ndert. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine rief OrbĂĄn im Mai 2022 den Ausnahmezustand aus, was es ihm seitdem ermöglicht, geltendes Recht außer Kraft zu setzen. Als Regierungschef zentralisierte OrbĂĄn die Medien, schrĂ€nkte die Kompetenzen des Verfassungsgerichts ein und griff in die Menschenrechte gesellschaftlicher Minderheiten ein. OrbĂĄns autoritĂ€rer Regierungsstil wird auch als OrbĂĄnismus bezeichnet.

Contents

‱ Jugend
‱ Positionen
‱ Ehrungen
‱ Privates
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Jugend

Orbån wuchs als Àltester Sohn eines Agraringenieurs und einer Lehrerin und LogopÀdin in Székesfehérvår auf. Dort wurde er am Teleki-Blanka-Gymnasium unterrichtet, absolvierte die Mittelstufe auf Englisch, und legte im Jahr 1981 die Matura ab.cite-ref-19-1-0[1]

Nach seinem Grundwehrdienst von 1981 bis 1982 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der LorĂĄnd-Eötvös-UniversitĂ€t, das er 1987 mit einem Berufsdoktorat abschloss.cite-ref-19-1-1[1] Von 1987 bis 1989 arbeitete er in Budapest beim Ministerium fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung und wohnte in Szolnok. Von April 1988 an arbeitete er fĂŒr die Soros Foundation of Central Europe Research Group, von der er im September 1989 ein Stipendium fĂŒr einen Forschungsaufenthalt zum Studium der Geschichte der englischen liberalen Philosophie am Oxforder Pembroke College erhielt. Dieses Studium brach er 1990 vor der ungarischen Parlamentswahl ab und ging in die Politik.cite-ref-19-1-2[1]

Politische TĂ€tigkeit

Seine politische Karriere begann er als Vorsitzender der Jugendorganisation der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (Kommunistischer Jugendbund, Kommunista IfjĂșsĂĄgi SzövetsĂ©g – KISZ) im von ihm besuchten Gymnasium.cite-ref-2[2] 1988 war er einer der GrĂŒndervĂ€ter des Bundes Junger Demokraten (Fiatal DemokratĂĄk SzövetsĂ©ge, Fidesz). Er wurde landesweit durch seine Rede im Rahmen der Umbettung des 1958 hingerichteten Imre Nagy bekannt, in der er sich als der Sprecher der UniversitĂ€tsjugend fĂŒr den Abzug der in der Volksrepublik Ungarn stationierten sowjetischen Truppen aussprach. Diese Rede brachte ihm teils Bewunderung, teils heftige Kritik ein.

Nach der Wende 1989 wurde er Mitglied des Ausschusses der neu gegrĂŒndeten Partei Fidesz (das heißt des FĂŒhrungsgremiums der Partei, da es damals noch keinen Vorsitzenden gab). 1993 wurde er zum Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Diesen Posten bekleidete er bis zu seinem RĂŒcktritt 2000 und erneut ab 2003.

Viktor OrbĂĄn ist seit 1990 Abgeordneter des Parlaments. Zwischen 1990 und 1993 war er Fraktionsvorsitzender.

Unter seiner FĂŒhrung wurde die zunĂ€chst als liberal geltende Partei Fidesz zur dominierenden konservativen Partei Ungarns. 1998 gewann er die Parlamentswahlen und bildete eine Regierung der Fidesz mit der konservativen Kleinbauernpartei (FKgP) und dem Ungarischen Demokratischen Forum (MDF). WĂ€hrend seiner ersten Regierungszeit trat Ungarn der NATO bei, und die öffentlichen Angestellten wurden nach Regierungsanweisung zu einem großen Teil ausgewechselt. 2002 verlor seine Partei die Wahl gegen die damals oppositionellen Sozialisten mit dem Spitzenkandidaten PĂ©ter Medgyessy.

Orbån bekleidete auch mehrere internationale Positionen: Zwischen 1992 und 2000 war er einer der VizeprÀsidenten der Liberalen Internationale; 2002 wurde er einer der VizeprÀsidenten der EuropÀischen Volkspartei.cite-ref-3[3]

Ein Jahr nach der Parlamentswahl wurde OrbĂĄn 2003 erneut zum Parteichef der Fidesz gewĂ€hlt. Nach seiner RĂŒckkehr an die Parteispitze stieg die Mitgliederzahl der Partei. Er galt als aussichtsreichster Kandidat gegen den amtierenden sozialistischen MinisterprĂ€sidenten Ferenc GyurcsĂĄny, verlor aber am 8. April 2006 knapp gegen diesen. Vor dem zweiten Wahldurchgang (23. April 2006) verzichtete er zugunsten des frĂŒheren Koalitionspartners, des Demokratischen Forums MDF, auf das Amt des Regierungschefs, konnte aber die MehrheitsverhĂ€ltnisse nicht mehr umdrehen.

Im ersten Wahlgang der Parlamentswahl am 11. April 2010 errang Fidesz einen klaren Wahlsieg mit 52,73 Prozent der abgegebenen Stimmen. Am 29. Mai 2010 wÀhlte das neue Parlament Viktor Orbån zum neuen MinisterprÀsidenten.

Die Regierungskoalition der Fidesz und der KDNP hat bei der Parlamentswahl am 6. April 2014 mit 44,87 Prozent der Listenstimmen sowie mit 44,11 Prozent der Wahlkreisstimmen 133 Parlamentssitze und damit die fĂŒr Änderungen der Verfassungsgesetze erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gewonnen. OrbĂĄn wurde am 10. Mai 2014 wieder zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt.cite-ref-4[4] Bei der Europawahl 2014 erreichte das BĂŒndnis 51,49 Prozent der Stimmen. Bei den Parlamentswahlen in Ungarn 2018 und 2022 sicherte sich Fidesz erneut eine Zwei-Drittel-Mehrheit, womit OrbĂĄn MinisterprĂ€sident blieb.

Seit dem 8. Dezember 2021, dem Tag des Ausscheidens Angela Merkels aus dem Regierungsamt, ist er der dienstÀlteste Regierungschef innerhalb der EU.cite-ref-5[5]

Im Oktober 2024 ĂŒberholte die oppositionelle Tisztelet Ă©s SzabadsĂĄg PĂĄrt (TISZA) unter PĂ©ter Magyar als erste Partei OrbĂĄns Fidesz nach 18 Jahren knapp in zwei Wahlumfragen. In beiden wurde Fidesz nur noch zweitstĂ€rkste Kraft mit 37 % der Stimmen.cite-ref-6[6] Am 1. Januar 2025 forderte Magyar als OppositionsfĂŒhrer vorgezogene Neuwahlen.cite-ref-7[7]

Positionen

Politische Grundhaltung

In gesellschaftlichen Fragen vertritt die Fidesz unter OrbĂĄn rechtskonservative Positionen. Er betont dabei insbesondere die Rolle der christlichen Kirchen und der traditionellen Familie. Autoritarismus und Nationalismus sind in der Rhetorik und Politik von Fidesz stark verankert.cite-ref-6-8-0[8]cite-ref-9[9]cite-ref-5-10-0[10] Beobachter erhofften sich durch die EU-Mitgliedschaft Ungarns und die Übernahme der Regierungsverantwortung eine MĂ€ĂŸigung dieser national geprĂ€gten Positionen.cite-ref-6-8-1[8]

Ein grundlegendes Element von OrbĂĄns politischem Denken ist die Abkehr vom liberal-demokratischen Modell westlicher PrĂ€gung. Laut OrbĂĄn „ist der neue Staat, den wir in Ungarn bauen, kein liberaler Staat, sondern ein illiberaler“. In einer Rede 2014 sagte er, das sei die „Staatsform, die am besten fĂ€hig ist, eine Nation erfolgreich zu machen“. Die Freiheit, „alles tun [zu] dĂŒrfen, was die Freiheit des anderen nicht einschrĂ€nkt“, mache er – anders als die liberale Demokratie – „nicht zum zentralen Element der Staatsorganisation“. „[V]on den in Westeuropa akzeptierten Dogmen und Ideologien“ mĂŒsse sich Ungarn „lossagen“. Sieger im Wettlauf um die beste Staatsform seien, so OrbĂĄn, „Singapur, China, Indien, Russland, die TĂŒrkei“. Daher gebe er in seiner Arbeit, die „neue Organisationsform“ Ungarns „zu schmieden“, bei aller „BerĂŒcksichtigung“ der Menschenrechte und der Individuen etwas anderem den Vorrang: der Nation als „Gemeinschaft, die organisiert, gestĂ€rkt, ja sogar aufgebaut werden“ mĂŒsse.cite-ref-11[11]

Auch auf europĂ€ischer Ebene verfolgt OrbĂĄn einen Kurs, der auf nationalstaatliche EigenstĂ€ndigkeit ausgerichtet ist. Er vertritt eine kritische Haltung gegenĂŒber der EuropĂ€ischen Union, betont die nationale SouverĂ€nitĂ€t Ungarns und lehnt eine vertiefte politische Integration ab. Immer wieder verzögerte er zentrale EU-Entscheidungen, insbesondere wenn diese an Bedingungen zur Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien oder zur KorruptionsbekĂ€mpfung geknĂŒpft waren.cite-ref-12[12]

Zur ungarischen Geschichte

Bei vielen AnlĂ€ssen betont OrbĂĄn, dass Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg andere und erheblich umfangreichere Grenzen hatte. In seinem Arbeitszimmer hĂ€ngt eine Landkarte des „historischen Großungarn“.cite-ref-13[13] Er ließ sich mit einem Fußballschal fotografieren, auf dem eine Landkarte „Großungarns“ gezeichnet war.cite-ref-14[14] OrbĂĄns Regierung betreibt seit Jahren systematisch den Aufkauf ungarischsprachiger Medien in Transsylvanien (RumĂ€nien), von 2020 bis 2023 gab der zur ungarischen Regierung gehörende „GĂĄbor-Bethlen-Fonds“ 20 Millionen Euro fĂŒr den Medienaufkauf aus. In den ĂŒbernommenen Medien werden die Ideologien OrbĂĄns wie Feindlichkeit gegen Migranten und „BrĂŒssel“ popularisiert, und es wird bei den Ungarn Transsylvaniens der Wunsch nach einem „Anschluss“ an Ungarn gepflegt beziehungsweise geweckt. Auch in Bauinvestitionen war der GĂĄbor-Bethlen-Fonds 2020 mit 365 Millionen Euro und 2021 mit 91 Millionen Euro engagiert. Die Profiteure der Investitionen stehen meist OrbĂĄns Fidesz-Partei nahe. Diese lĂ€sst auch Schulen in abgelegenen Regionen des Szeklerlands bauen, die der rumĂ€nische Staat nicht erreicht. Die UDMR, die in den ungarischen Gebieten RumĂ€niens ĂŒber eine „gut geölte Wahlkampfmaschine“ verfĂŒgt, stellte diese in den Dienst der Fidesz. Diese erreichte 2018 die Zwei-Drittel-Mehrheit im rumĂ€nischen Parlament nur mit einer einzigen Stimme, wobei das Votum Transsylvaniens wichtig war.cite-ref-mo-15-0[15]

Einerseits war die Regierung OrbĂĄn die erste Regierung Ungarns, die eine Mitverantwortung des Landes am Holocaust eingestand und dafĂŒr um Entschuldigung bat. Andererseits ließ OrbĂĄns Regierung ein Nationaldenkmal bauen, das an das einstige Großungarn erinnert. OrbĂĄn bezeichnete bei der Einweihung des Denkmals die Auswirkungen des Vertrags von Trianon als Tragödie.cite-ref-5-10-1[10] Nach Ansicht einiger Historiker wird durch das Nationaldenkmal GeschichtsfĂ€lschung betrieben, da es „Ungarn zu sehr als wehrloses, handlungsunfĂ€higes Opfer Nazi-Deutschlands darstelle“. So sprach der Historiker KrisztiĂĄn UngvĂĄry von einem „Memento des nationalen Selbstfreispruchs“.cite-ref-die-welt-16-0[16]cite-ref-neue-z-rcher-zeitung-17-0[17]cite-ref-nzz-2-18-0[18]

Im Juni 2017 wĂŒrdigte OrbĂĄn den frĂŒheren ungarischen Reichsverweser und Hitler-VerbĂŒndeten MiklĂłs Horthy (1868–1957) als „Ausnahmestaatsmann“. Dessen Mitverantwortung fĂŒr den Holocaust erwĂ€hnte OrbĂĄn nicht. Horthy hatte den Abtransport von ungarischen Juden außerhalb Budapests in deutsche Vernichtungslager gebilligt. Der Verband der jĂŒdischen Gemeinden Ungarns (Mazsihisz) und der JĂŒdische Weltkongress (WJC) kritisierten OrbĂĄns „Verherrlichung eines Hitler-VerbĂŒndeten“ scharf. OrbĂĄn betonte, seine Rede „auf das Genaueste formuliert“ zu haben.cite-ref-19[19]

Ende Februar 2019 warf das Internationale Auschwitz-Komitee OrbĂĄn vor, die „Erinnerungspolitik an den Holocaust zu deformieren“. OrbĂĄn versuche, die ungarische Beteiligung an der Drangsalierung und Verschleppung der ungarischen Juden in die nationalsozialistischen Vernichtungslager aus dem nationalen Bewusstsein zu verdrĂ€ngen. Zudem bediene seine Rhetorik „auf schĂ€bige, subtile und effiziente Art“ immer wieder antisemitische Vorurteile.cite-ref-20[20] Auch Matthias Krupa bescheinigte OrbĂĄn in der Zeit, „immer unverhohlener“ antisemitische Motive und Verschwörungstheorien zu verwenden. Dabei vermeide er sorgsam, die Juden beim Namen zu nennen, nutze aber die Topoi des klassischen Antisemitismus – vom (jĂŒdischen) „Finanzspekulanten“ bis zum (heimatlosen) „WeltbĂŒrgertum“, das das christliche Abendland bedrohe. Laut Krupa ist OrbĂĄn kein Antisemit, sondern „ein zynischer Machtpolitiker, dem jedes Mittel recht“ sei.cite-ref-21[21] Roger de Weck befand, OrbĂĄn habe „die antisemitische HĂ€me als uraltes, brandneues Mittel der Politik wiedereingefĂŒhrt“.cite-ref-22[22]

Wirtschafts- und Sozialpolitik

Verglichen mit der Wirtschaftspolitik der in dieser Hinsicht liberalen SZDSZ und ihrer eigenen ersten Regierungszeit in den Jahren 1998 bis 2002, befindet sich die Fidesz-Partei, bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage in Ungarn, jedoch auf einem zum Teil erheblich verĂ€nderten, eher staatsinterventionistischen und dirigistischen Kurs.cite-ref-23[23] FĂŒr die Zeit nach der Wahl 2010 kĂŒndigte die Partei zwar Steuersenkungen als ihr wesentliches Ziel an. Dies wurde bereits im Juli 2010 umgesetzt, indem die Einkommensteuer auf 16 Prozent „flat“ (vorher 16 bis 44 Prozent) und die Gewinnsteuer der kleinen und mittleren Unternehmen auf 10 Prozent (vorher 19 Prozent) gesenkt wurden. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung wurde aber zunĂ€chst eine einmalige Steuererhöhung in Form einer Bankenabgabe beschlossen und erhoben.cite-ref-24[24]

OrbĂĄns Regierung wird fĂŒr den Abbau sozialstaatlicher Leistungen, Zwangsmaßnahmen gegen Arbeitslose und die Zunahme der Armut in der Bevölkerung kritisiert.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] Außerdem wurde wĂ€hrend seiner Amtszeit das Streikrecht eingeschrĂ€nkt.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]

Die Familienpolitik Viktor OrbĂĄns zielt darauf ab, den demografischen RĂŒckgang Ungarns nicht durch Migration, sondern durch eine erhöhte Geburtenrate unter ethnisch ungarischen Familien zu bekĂ€mpfen. Dazu wurden umfassende finanzielle Anreize geschaffen, etwa Steuerbefreiungen fĂŒr MĂŒtter mit vier oder mehr Kindern und zinslose Kredite fĂŒr junge Ehepaare, deren RĂŒckzahlung bei Geburt von Kindern erlassen wird.cite-ref-13-30-0[30] OrbĂĄn betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung traditioneller Familienstrukturen und christlicher Werte.cite-ref-31[31] Kritiker werfen der Regierung jedoch vor, andere Familienmodelle zu benachteiligen und eine ideologisch motivierte, exklusive Familienpolitik zu betreiben. In einer Rede 2019 sagte OrbĂĄn: „Wir wollen nicht einfach Zahlen, sondern ungarische Kinder“. In der Praxis kamen die familienpolitischen Maßnahmen (Steuern und andere Subventionen) vor allem den wohlhabenden und vermögenden Bevölkerungsschichten zugute.cite-ref-32[32]

Justiz, Rechtsstaat und Innenpolitik

Nach dem Regierungsantritt OrbĂĄns wurde der Personalapparat des Staates stark umgestaltet und die Netto-Abfindungen fĂŒr entlassene BeschĂ€ftigte reduziert. Das Verfassungsgericht kippte diese AbfindungsverĂ€nderungen.cite-ref-33[33] Daraufhin schrĂ€nkte die Fidesz-MPSZ im November 2010 mit der hinter ihr stehenden Zweidrittelmehrheit im Parlament die ZustĂ€ndigkeit des Verfassungsgerichtes in Budgetfragen ein.cite-ref-34[34]

Um den verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren, wurden unter der OrbĂĄn-Regierung im Dezember 2010 Einlagen der obligatorischen privaten Rentenkassen in Höhe von umgerechnet rund 10 Milliarden Euro in einen „Fonds fĂŒr die Rentenreform und den Staatsschuldenabbau“ verschoben. Von einigen Medien wurde diese Aktion kontrovers als „Rentenklau“ kritisiert,cite-ref-35[35] von OrbĂĄn selbst hingegen als Notrettung des ungarischen Pensionssystems gerechtfertigt.cite-ref-36[36]

Am 18. April 2011 wurde mit den Stimmen der FIDESZ eine seit dem 1. Januar 2012 gĂŒltige neue Verfassung verabschiedet, in der als Prinzipien unter anderem der Bezug auf Gott, die ungarische Krone (Stephanskrone) sowie die Begriffe Vaterland, Christentum, Familie, Treue, Glaube, Liebe und Nationalstolz verankert sind. Zudem wurde der Staat von Republik Ungarn in Ungarn umbenannt, die republikanische Staatsform somit aus dem offiziellen Staatsnamen getilgt,cite-ref-37[37] wobei die Verfassung die Staatsform Ungarns nach wie vor als Republik definiert.

Die neue Verfassung sieht vor, dass der – gegenwĂ€rtig aus drei OrbĂĄn-Gefolgsleuten bestehende – Haushaltsrat der Zentralbank das Recht erhĂ€lt, das Parlament des Landes aufzulösen, wenn der Haushalt nicht entsprechend den Normen der neuen Verfassung verabschiedet wurde. Die Kompetenzen des Verfassungsgerichts wurden eingeschrĂ€nkt, insbesondere im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Westliche Medien berichteten, dass nun nicht mehr jeder BĂŒrger vor diesem Gericht klagen dĂŒrfe, jedoch entfiel lediglich die Popularklage. Das bedeutet, dass nach wie vor jeder BĂŒrger vor dem Verfassungsgericht Klage einreichen kann, jedoch nur dann, wenn er selbst durch das angegriffene Gesetz in seinen Grundrechten betroffen ist.cite-ref-hungarian-voice-1-38-0[38] Diese GesetzesĂ€nderung wurde auch von Juristen begrĂŒĂŸt, weil dadurch die Belastung des Verfassungsgerichts reduziert werde.cite-ref-hungarian-voice-2-39-0[39]

Die Möglichkeiten der Ungarn, ĂŒber Volksentscheide auf die Politik Einfluss zu ĂŒben, wurden erheblich eingeschrĂ€nkt. So darf es unter anderem keine Referenden zu VerfassungsĂ€nderungen sowie zu den Wahlgesetzen geben.cite-ref-der-standard-40-0[40]

Nachdem Orbån wochenlang nicht auf die Kritik der EU-Kommission reagiert hatte, eröffnete diese Mitte Januar 2012 drei Verfahren wegen Verletzungen mehrerer EU-VertrÀge gegen Ungarn.cite-ref-41[41]

Ende Dezember 2019 billigte die Regierungsmehrheit im Parlament neue Bestimmungen, die die Rechte und Freiheiten von Oppositionsabgeordneten betreffen: KĂŒnftig können sich zwei oder mehr Fraktionen nicht mehr zu einer neuen Fraktion zusammenschließen. Abgeordnete, die als Parteilose in das Parlament gewĂ€hlt wurden, dĂŒrfen sich keiner Fraktion mehr anschließen und auch Parteilose dĂŒrfen, auch wenn sie die fĂŒr eine Fraktion nötige Mitgliederzahl erreichen, sich nicht mehr zu einer Fraktion zusammenschließen. Laut OrbĂĄn und seiner Fidesz-Partei wĂŒrden diese Maßnahmen den WĂ€hlerwillen besser reflektieren, Beobachter sehen hingegen in der Quasi-Aufhebung des Rechts auf freie Fraktionsbildung eine EinschrĂ€nkung des politischen Spielraums der Opposition, die sich ĂŒber mehrere Parteien und populĂ€re parteilose Persönlichkeiten verteilt. VerschĂ€rfte Strafen sind ĂŒberdies fĂŒr Abgeordnete, die Parlamentssitzungen stören oder auch nur mit Transparenten oder Plakaten ihren Protest ausdrĂŒcken, vorgesehen.cite-ref-42[42]

Alleine bis zur erneuten Wiederwahl im Jahr 2022 wurden unter OrbĂĄn nach Aussage von Katarina Barley 700 Änderungen des Wahlrechts in Ungarn zum Vorteil der Fidesz vorgenommen.cite-ref-43[43] Orban wird vorgeworfen, die Macht von BerufsverbĂ€nden und Gewerkschaften beschnitten zu haben. Laut dem Gini-Koeffizient stieg die Ungleichverteilung seit Orbans Amtsantritt als PrĂ€sident 2010 deutlich an (Stand 2023).cite-ref-7-44-0[44]

Im September 2025 ließ OrbĂĄns Regierung per Dekret mehrere Antifa-Personengruppen, darunter die deutsche Hammerbande, als Terrororganisationen einstufen. Damit folgte OrbĂĄn dem Beispiel des US-PrĂ€sidenten Donald Trump nach, der selbiges zuvor in den USA angeordnet hatte.cite-ref-45[45]

Medienpolitik und Pressefreiheit

Im Zusammenhang mit der ungarischen EU-RatsprĂ€sidentschaft 2011 stand OrbĂĄn in der internationalen Kritik. Mehrfach wurden BefĂŒrchtungen geĂ€ußert, dass durch die Bestimmungen des neuen, bereits in Kraft getretenen Mediengesetzes die Pressefreiheit in Ungarn stark eingeschrĂ€nkt werde. Hierbei wird besonders hervorgehoben, dass die neu geschaffene Medienaufsichtsbehörde Nemzeti MĂ©dia- Ă©s HĂ­rközlĂ©si HatĂłsĂĄg (NMHH) ihre weit gefassten Befugnisse missbrauchen könne, da sie nicht vom Parlament kontrolliert wird.cite-ref-46[46] Der bestehende Medienrat wurde nunmehr nur mit Angehörigen der Regierungspartei besetzt.cite-ref-47[47] Laut den VorwĂŒrfen kontrolliert die Fidesz-Partei die staatliche Fernsehanstalt Magyar TelevĂ­ziĂł und ĂŒbt auch Einfluss auf wichtige andere Medien des Landes aus. Die sozialdemokratische Tageszeitung NĂ©pszava erschien am 3. Dezember 2010 aus Protest mit einer leeren Titelseite. Dem schlossen sich auch die Literaturzeitschrift Élet Ă©s Irodalom und das Wochenmagazin Magyar Narancs an.cite-ref-48[48]

Aufgrund seines Bestrebens nach Medienkontrolle und der generell ĂŒberwiegend nationalkonservativen Politik wurde OrbĂĄn unter anderem Demokratiefeindlichkeit vorgeworfen. Nach einer Äußerung des TrĂ€gers des ZĂŒrcher Journalistenpreises, Bernhard Odehnal, sei OrbĂĄn zwar auf demokratischem Wege an die Macht gekommen, aber seine Regierung schaffe jetzt die Demokratie ab. In einem Interview der Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger sagte Odehnal, alle klassischen Instanzen der demokratischen Kontrolle seien geschwĂ€cht, abgeschafft oder unter die Kontrolle der Regierung gebracht worden.cite-ref-49[49] Dagegen bezeichnete Jan Mainka, der die rechtskonservative deutschsprachige Budapester Zeitung herausgibt, die Kritik des Westens an dem ungarischen Mediengesetz als völlig ĂŒberzogen.cite-ref-50[50] Die ungarische Regierung verteidigt sich gegenĂŒber ihren Kritikern aus dem Ausland mit dem Argument, das Mediengesetz beinhalte nichts Neues, was nicht auch in den westlichen Demokratien gesetzliche Praxis sei.cite-ref-51[51] Im Zuge der Umgestaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurden alle vier ungarischen Fernsehsender, sieben Radioprogramme und die 1880 gegrĂŒndete Nachrichtenagentur Magyar TĂĄvirati Iroda (MTI) unter dem Dach eines Mediendienstleistungs- und Vermögensfonds (MTVA) zusammengelegt. Im Juli 2011 begann die von ihm neu eingesetzte UnternehmensfĂŒhrungsspitze mit Massenentlassungen von zunĂ€chst 600 Mitarbeitern, denen im September weitere 400 folgen sollen.cite-ref-52[52]

Anfang Juni 2014 brachte OrbĂĄns Fidesz-Partei einen Gesetzesvorschlag ein, demzufolge Medienunternehmen eine bis zu 40-prozentige Abgabe auf Werbeeinnahmen abfĂŒhren mĂŒssen. Kritiker sehen dahinter nicht nur fiskalische Ziele, sondern auch den Versuch, unabhĂ€ngige, nicht von der Regierung kontrollierte Medien an den Rand ihrer Existenz zu bringen.cite-ref-53[53]

Im Oktober 2014 berichtete Der Spiegel nach Recherchen, dass die öffentlich-rechtlichen Medien in Ungarn praktisch „gleichgeschaltet“ seien. Nun wĂŒrde die ungarische Regierung auch gegen die privaten Presseorgane massiv vorgehen. Laut Viviane Reding verdient die Pressefreiheit in Ungarn ihren Namen nicht mehr. Die Maßnahmen der Regierung seien „eine Putinisierung“, so Reding, „das Gegenteil von all dem, was wir in Europa aufgebaut haben“.cite-ref-54[54] FĂŒr Paul Lendvai ist OrbĂĄn zehn Jahre spĂ€ter Wladimir Putins bester Freund.cite-ref-55[55]

Eine geplante Internet-Steuer, die laut OrbĂĄn eine „rein technische Änderung der bereits existierenden Telekommunikationssteuer“ ist, wurde Ende Oktober 2014 nach Protesten der Bevölkerung vorerst wieder zurĂŒckgezogen. Jedoch behielt sich OrbĂĄn vor, 2015 im Rahmen einer „nationalen Konsultation ĂŒber die Regulierung des Internets“ dieses Thema erneut zu erörtern.cite-ref-56[56] Die nach dem vorlĂ€ufigen RĂŒckzug dieser Steuer anhaltenden Proteste richteten sich neben der Medien- zunehmend auch gegen die Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung OrbĂĄn.cite-ref-57[57]

Die ungarische Regierung unter Viktor OrbĂĄn grĂŒndete 2018 die KözĂ©p-EurĂłpai SajtĂł Ă©s MĂ©dia AlapĂ­tvĂĄny (KESMA), eine Stiftung, die ĂŒber 400 regierungsnahe Medienunternehmen bĂŒndelt. Durch ein spezielles Regierungsdekret wurde die GrĂŒndung von der kartellrechtlichen PrĂŒfung ausgenommen, indem die Fusion als „nationalstrategisch bedeutend“ eingestuft wurde. Diese Maßnahme ermöglichte eine weitgehende Konzentration der Medienlandschaft unter staatlicher Kontrolle. Kritiker sehen darin eine EinschrĂ€nkung der Medienvielfalt und eine GefĂ€hrdung der Pressefreiheit in Ungarn. Die KESMA wird daher hĂ€ufig als Instrument der Regierung zur Steuerung der öffentlichen Meinung bewertet.cite-ref-58[58]

Anfang 2021 musste der letzte freie ungarische Radiosender aufgrund eines Lizenzentzugs seine Arbeit einstellen.cite-ref-59[59]

In einer Rede anlĂ€sslich des ungarischen Nationalfeiertags am 15. MĂ€rz 2025 griff OrbĂĄn in einer Rede liberale KrĂ€fte im In- und Ausland an; er werde sein Land von all denen befreien, die fĂŒr die Interessen auslĂ€ndischer MĂ€chte arbeiteten, und dabei hart gegen Medien und andere Organisationen durchgreifen. „Nach dem heutigen festlichen Beisammensein“, so OrbĂĄn, folge „der Osterputz. Das Ungeziefer hat ĂŒberwintert“. Man werde „die Finanzmaschine zerschlagen, die mit korrupten Dollars Politiker, Richter, Journalisten, Pseudo-NGOs und politische Aktivisten gekauft“ habe, und „die gesamte Schattenarmee beseitigen“. OrbĂĄn begrĂŒĂŸt als AnhĂ€nger Donald Trumps ĂŒberdies dessen Abwicklung der US-Entwicklungshilfebehörde USAID, der er vorwirft, durch die Finanzierung liberaler Bestrebungen in Ungarn auf seinen Sturz abgezielt zu haben.cite-ref-60[60]

Bildungspolitik

Nachdem das von OrbĂĄn kontrollierte Parlament 2017 ein Gesetz beschlossen hatte, das neue Bedingungen an auslĂ€ndische UniversitĂ€ten stellt, muss die von dem US-Investor und Philanthropen George Soros gegrĂŒndete Central European University (CEU) ihre in den USA akkreditierten StudiengĂ€nge von Budapest nach Wien verlegen, wie sie Anfang Dezember 2018 bekanntgab. Das neue Gesetz sieht vor, dass die Lehranstalt auch in ihrem Heimatland eine LehrtĂ€tigkeit ausĂŒbt – was im Fall der CEU gegeben wĂ€re –, und fĂŒr den Betrieb in Ungarn muss es ein bilaterales Abkommen auf Regierungsebene geben. Nach Angaben der Hochschule habe ein zwischen dem US-Bundesstaat New York und Ungarns Regierung ausgehandeltes Abkommen unterschriftsreif vorgelegen, sei jedoch von ungarischer Seite nicht unterzeichnet worden. Nach Ansicht von Kritikern solle diese „Lex CEU“ die UniversitĂ€t zum Verlassen des Landes zwingen, Grund sei die liberale Ausrichtung. Unklar ist bisher, ob die in Ungarn akkreditierten StudiengĂ€nge in Budapest verbleiben.cite-ref-61[61]

Anfang Juli 2019 billigte das Parlament auf Initiative der rechtsnationalen Regierung von OrbĂĄn mit 131 Stimmen bei 53 Gegenstimmen (insgesamt 199 Abgeordnete) ein Gesetz zur Reformierung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA). Dieses sieht vor, dass ein neues Gremium, dessen Mitglieder durch die Regierung ernannt werden, kĂŒnftig die Forschungsgelder verwalten soll. Auch Teile des Grundbesitzes sowie der allgemeinen Verwaltung der MTA sollen der Kontrolle dieses Gremiums unterliegen. Kritiker sehen hinter dieser Gesetzesinitiative einen Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit und den Versuch, kritische Wissenschaftler zum Schweigen zu bringen. Laut dem Direktor der Akademie, LĂĄszlĂł LovĂĄsz, widerspreche die Maßnahme „den europĂ€ischen GrundsĂ€tzen der Forschungsfinanzierung“ und bedrohe die Freiheit der Wissenschaft. Ungarische Wissenschaftler, europĂ€ische DachverbĂ€nde sowie Deutschlands zehn wichtigste Wissenschaftsorganisationen protestierten mit offenen Briefen. Letztere wiesen auch die RegierungsbegrĂŒndung zurĂŒck, Ungarn folge mit der Umstrukturierung dem Vorbild der außeruniversitĂ€ren Forschungseinrichtungen in Deutschland, analog zu der Auflösung der DDR-Akademien. Die Integration vieler Akademie-Institute in die Leibniz-Gemeinschaft sei „nicht nur abhĂ€ngig von einer sehr strengen Evaluation ihrer wissenschaftlichen QualitĂ€t durch den unabhĂ€ngigen deutschen Wissenschaftsrat“ gewesen, sie habe „die Institute auch direkt in die wissenschaftliche Selbstverwaltung und in eine verlĂ€ssliche Finanzierung“ gebracht. Weiter kritisieren sie, dass mit der Reform ausschließlich Forschung des öffentlichen Interesses gefördert werden solle, wobei dieses Interesse durch die Regierung definiert werde. Genderforschung beispielsweise werde als Ideologie eingestuft und als vermeintliche „Nichtwissenschaft“ von der Finanzierung ausgeschlossen.cite-ref-62[62]

Laut der Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky sind eine „Wissenschafts- und Intellektuellenfeindlichkeit“ fĂŒr das System kennzeichnend. Die moderne Wissenschaft und die Bildung der NachaufklĂ€rungszeit wĂŒrden fĂŒr die „Entspiritualisierung der Menschheit“ verantwortlich gemacht und liberale Intellektuelle als „materialistische Manipulanten“ begriffen. Dagegen werde eine „Pseudowissenschaft“ gefördert, die nach der „verloren geglaubten spirituellen Urtradition“ suchen solle, deren Spuren man im nĂ€heren und ferneren Osten vermute. Zur Erforschung des biologischen und kulturellen Ursprungs des Magyaren wurde 2019 ein Institut fĂŒr Ahnenforschung eingerichtet.cite-ref-63[63]

OrbĂĄns Regierungen investieren seit Jahren hohe Euro-MillionenbetrĂ€ge in ungarischsprachige Schulen und UniversitĂ€ten in RumĂ€nien. Die mit seiner Fidesz-Partei verbĂŒndete UDMR setzte im rumĂ€nischen Parlament eine Regelung durch, wonach RumĂ€nisch in ungarischen Schulen in RumĂ€nien als Fremdsprache unterrichtet werden kann.cite-ref-mo-15-1[15]

Eine wichtige Rolle in OrbĂĄns Bildungspolitik spielt das Mathias Corvinus Collegium (MCC), das vom Standard als sein „Propagandaorgan“ bezeichnet wurde. Es verfolge das Ziel, Ungarns zukĂŒnftige OrbĂĄn-treue Eliten hervorzubringen sowie ein internationales rechtes Netzwerk in Europa zu etablieren.cite-ref-02-64-0[64] Im Jahr 2020 soll die ungarische Regierung das MCC mit knapp 1,4 Milliarden Euro unterstĂŒtzt haben, eine Summe, die das Jahresbudget aller anderen ungarischen Hochschulen ĂŒbertrifft.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]

VerhÀltnis zur EU

Ende Januar 2012 erlebte Ungarn die grĂ¶ĂŸte Demonstration nach der Wende. Zwischen 100.000 und 400.000 Teilnehmer demonstrierten gegen die Einmischung westeuropĂ€ischer Politiker und die ihrer Ansicht nach tendenziöse Ungarn-Berichterstattung in Westeuropa. Sie bekannten sich somit zur Regierung und zu OrbĂĄn persönlich.cite-ref-67[67]

April 2014 entschied der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte, dass das zwei Jahre zuvor von der OrbĂĄn-Regierung erlassene ungarische Kirchengesetz, demzufolge religiöse Gemeinschaften der Anerkennung des Parlaments bedurften, gegen die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention und die Religions- und Versammlungsfreiheit verstoße, da der Staat seine neutrale Position verlasse. Die Regierung wollte nach eigenen Angaben damit gegen „Wildwuchs“ der Religionen und missbrĂ€uchliche Erlangung von Staatsgeldern vorgehen. Geklagt hatten mehrere kleine Gemeinschaften unter FĂŒhrung der Christlich-Mennonitischen Kirche Ungarns.cite-ref-68[68] Ebenfalls April 2014 urteilte der Gerichtshof der EuropĂ€ischen Union, dass OrbĂĄn mit der Entlassung des obersten DatenschĂŒtzers AndrĂĄs JĂłri 2012, fast drei Jahre vor dem Ende von dessen Amtszeit, EU-Recht gebrochen habe. Diese Maßnahme war Teil einer Reform, die die Einrichtung einer staatlichen Behörde zum Schutz des Informationsrechts zum Ziel hat.cite-ref-69[69]

Im Juni 2021 verabschiedete die ungarische Regierungspartei Fidesz, unterstĂŒtzt von der Rechtspartei Jobbik, ein Gesetz, das schĂ€rfere Strafen fĂŒr PĂ€dophilie vorsieht, aber zugleich jedwede „Propaganda“ ĂŒber HomosexualitĂ€t und Transgeschlechtlichkeit unter Strafe stellt, sofern diese Kinder und Jugendliche erreichen könnte – nach Erachten der SĂŒddeutschen Zeitung eine „unzulĂ€ssige Vermischung von PĂ€dophilie mit der Darstellung von HomosexualitĂ€t“. Das Blatt schrieb, dass seit dem „Gegenwind“ aus BrĂŒssel in den ungarischen Medien immer öfter die Rede von der BrĂŒsseler „Meinungsdiktatur“ sei sowie davon, dass mit „falschen VorwĂŒrfen und bewussten Fehlinterpretationen“ die EuropĂ€ische Union Ungarn eine falsche Kultur aufzwingen wolle. Der „Einwanderungsspekulant“ George Soros und sein Sohn Alexander wurden als Strippenzieher hinter dieser angeblichen Kampagne beschuldigt. In Artikeln wurde Alexander Soros mit einem Schwarzen abgebildet, der ihn von hinten freundschaftlich umarmt. Attackiert wĂŒrden in den regierungsnahen Medien auch innenpolitische Gegner wie der Politiker Ferenc GyurcsĂĄny und dessen Frau KlĂĄra Dobrev. OrbĂĄn selbst teilte in einem „Samizdat“-Brief – laut SZ eine „ahistorische Aneignung des Namens fĂŒr Publikationen, die einst sowjetische Dissidenten unter Lebensgefahr herausbrachten“ – mit, dass die Migration „kein Menschenrecht [
] und die Art und Weise der sexuellen Erziehung des Kindes [
] auch nicht das Menschenrecht des Kindes“ sei. Analysten vermuten hinter dieser Strategie ein Ablenkungsmanöver zu OrbĂĄns Machtsicherung. Das Wirtschaftsmagazin HVG berichtete in diesem Zeitraum ĂŒber MillionenauftrĂ€ge fĂŒr Projekte zum Vorteil von Angehörigen OrbĂĄns sowie dessen Nachbarn LƑrinc MĂ©szĂĄros, des reichsten Ungarn.cite-ref-70[70]

Aufgrund des ineffektiven Zugangs von Asylwerberinnen und Asylwerbern zu Asylverfahren verurteilte der EuropĂ€ische Gerichtshof (EuGH) im Sommer 2024 Ungarn zur Zahlung einer Strafe von 200 Millionen Euro sowie zu einem tĂ€glichen Zwangsgeld von einer Million Euro fĂŒr jeden Tag des Verzugs.cite-ref-12-71-0[71] Die Regierung Orban weigert sich, die Zahlungen zu leisten.cite-ref-12-71-1[71]

Am ungarischen Nationalfeiertag im Oktober 2024 warf OrbĂĄn in einer Rede der EU vor, seine Regierung zu stĂŒrzen und ein Marionettenregime in Ungarn errichten zu wollen, da eine „unabhĂ€ngige ungarische Politik“ fĂŒr BrĂŒssel „inakzeptabel“ sei. Mit dem Oppositionspolitiker Peter Magyar habe die EU auch bereits den Chef dieser geplanten Marionettenregierung; dieser sei der Mann, „der alles unterschreibt“. In Anspielung auf den Krieg in der Ukraine behauptete er, „die BrĂŒsseler BĂŒrokraten“ hĂ€tten den Westen „in einen aussichtslosen Krieg“ gefĂŒhrt. Die EU plane, nach einem kĂŒnftigen Sieg ukrainische Soldaten in Ungarn zu stationieren, um die Sicherheit Europas zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-72[72]

Haltung zur SelbstbestimmungsfÀhigkeit der EU

Am 22. November 2023 hielt Viktor OrbĂĄn in ZĂŒrich eine Rede ĂŒber die EuropĂ€ische Union (EU). OrbĂĄn sagte, dass Europa vor dem Zweiten Weltkrieg noch die FĂ€higkeit gehabt habe, ĂŒber sein eigenes Schicksal bestimmen zu können.cite-ref-73[73] Das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs sei es gewesen, dass Europa seine SouverĂ€nitĂ€t verloren habe – zunĂ€chst hĂ€tten die USA und die Sowjetunion die FĂŒhrung in Europa ĂŒbernommen, und nach dem Zerfall der Sowjetunion hĂ€tten die USA die ganze FĂŒhrung in Europa ĂŒbernommen. Die USA könnten sich aber in der nĂ€chsten Zeit teilweise oder vollstĂ€ndig aus Europa zurĂŒckziehen, einerseits, weil die EU ökonomisch unbedeutender werden werde – der globale BIP-Anteil der EU werde in Zukunft abnehmen –, und andererseits, weil die USA sich möglicherweise auf ihre Beziehung zu China konzentrieren werden. Dies wĂŒrde zum Beispiel bedeuten, dass die EU den Ukraine-Krieg alleine handhaben mĂŒsste, was sie derzeit aber nicht könne. OrbĂĄn schlĂ€gt deshalb unter anderem vor, dass die EU eine Strategie entwickeln sollte, um die eigenen Interessen im Falle des RĂŒckzugs der USA vertreten zu können. Die EU mĂŒsse die FĂ€higkeit zur Selbstbestimmung entwickeln.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]cite-ref-76[76]

Veruntreuung von EU-Geldern / Korruption

Unter OrbĂĄns PrĂ€sidentschaft erhielt Ungarn die höchste Pro-Kopf-UnterstĂŒtzung in der EuropĂ€ischen Union: Von 2010 bis 2017 sind aus dem EU-Haushalt nach Ungarn etwa 30 Milliarden Euro ĂŒberwiesen worden. Die Förderungen entsprachen jĂ€hrlich fast viereinhalb Prozent des ungarischen Bruttoinlandsprodukts.cite-ref-0-77-0[77]

Laut einem zu Anfang des Jahres 2017 veröffentlichten Bericht des EuropĂ€ischen Amts fĂŒr BetrugsbekĂ€mpfung (OLAF) wurden im Zusammenhang mit dem Bau der Linie 4 der MetrĂł Budapest, fĂŒr die die EU 600 Millionen Euro an Fördergeldern aus dem KohĂ€sionsfonds bereitgestellt hatte, 296 Millionen Euro als Schmiergelder genutzt.cite-ref-78[78] OLAF ermittelte im Jahr 2017 in zehn VerdachtsfĂ€llen zu Veruntreuung gegen Ungarn.cite-ref-1-79-0[79] In der Gemeinde Tyukod wurden einfache Aussichtsplattformen gebaut, fĂŒr die EU-Gelder in zehnfacher Höhe der Baukosten beantragt und schließlich bewilligt wurden. Insgesamt flossen diesbezĂŒglich 880.000 Euro an Fördergeldern von der EU an das ungarische Agrarministerium.cite-ref-0-77-1[77]

Im Vorfeld der Parlamentswahl 2018 spielten von OLAF veröffentlichte Ermittlungsergebnisse wegen Korruption und Bereicherung von OrbĂĄns Familie durch EU-Fördergelder eine Rolle.cite-ref-80[80] So hatte der Unternehmer IstvĂĄn Tiborcz, der seit 2015 mit OrbĂĄns Tochter verheiratet ist, in den Jahren 2014 und 2015 staatliche InfrastrukturauftrĂ€ge in Höhe von rund 65 Millionen Euro erhalten.cite-ref-2-81-0[81]cite-ref-3-82-0[82] Sein Vermögen wurde fĂŒr 2025 auf 188 Milliarden Forint geschĂ€tzt. Laut einer Zusammenfassung der Zeitung VĂĄlasz Online könnte sein Vermögen jedoch mindestens dreimal so hoch sein. Er ist an mehreren Kapitalbeteiligungsfonds (Private-Equity-Fonds) beteiligt.cite-ref-83[83] Auch OrbĂĄn selbst wurde wĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft zu einem der wohlhabendsten BĂŒrger Ungarns.cite-ref-84[84]cite-ref-2-81-1[81]cite-ref-3-82-1[82]

Unter OrbĂĄns PrĂ€sidentschaft stieg sein Schulfreund LƑrinc MĂ©szĂĄros, ein 2007 insolvent gegangener Gasinstallateur, erst zum BĂŒrgermeister der Gemeinde FelcsĂșt (der Heimat der beiden) und schließlich als EigentĂŒmer von 200 Unternehmen zum MultimillionĂ€r auf.cite-ref-1-79-1[79]cite-ref-2-81-2[81] Der ungarischen Anti-Korruptionsplattform Atlatszo zufolge waren die Ausschreibungen in Ungarn, die im Jahr 2018 insgesamt 826 Millionen Euro betrugen (und zu 93 Prozent von der EU stammen), auf die Bauunternehmen von MĂ©szĂĄros zugeschnitten. Die von MĂ©szĂĄros eingeworbenen EU-Gelder flossen unter anderem in eine DonaubrĂŒcke fĂŒr 90 Millionen Euro, in eine Bahnstrecke im Osten Ungarns fĂŒr 240 Millionen Euro und eine milliardenteure Bahnstrecke von Budapest nach Belgrad.cite-ref-1-79-2[79]

2016 wurde auf OrbĂĄns Betreiben hin mittels EU-Fördergeldern in Höhe von zwei Millionen Euro eine Zugverbindung (VĂĄl-Tal-Bahn) von einem nahegelegenen Wald zur Pancho Arena, zur HeimstĂ€tte seines eigens gegrĂŒndeten Fußballvereins PuskĂĄs AkadĂ©mia FC, gebaut.cite-ref-0-77-2[77]cite-ref-4-85-0[85]

Im MĂ€rz 2024 berichtete die Lebensmittel Zeitung, der Handelskonzern Spar Österreich wolle „das Vermögen vor den FĂ€ngen des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban sichern“. Spar Österreich strukturierte deshalb seine GeschĂ€fte in Ungarn um und habe einen Teil seiner Vermögenswerte in die Schweiz verlagert.cite-ref-orf-at-86-0[86] Spar Österreich reagierte damit darauf, dass die Regierung OrbĂĄn auslĂ€ndischer Handelsunternehmen mittels Sondersteuern und Preisstopps schikaniere.cite-ref-87[87] OrbĂĄn habe Spar Österreich nahegelegt, einen seiner Verwandten an seinem Tochterunternehmen Spar Ungarn zu beteiligen. Die Lebensmittel Zeitung zitierte Spar-Österreich-Vorstandschef Hans Reisch wie folgt: „Im Grunde will die Regierung unser Unternehmen durch eine Beteiligung in ihren Besitz bekommen.“cite-ref-orf-at-86-1[86] OrbĂĄn klagte im Anschluss privat gegen mehrere Medien wegen Berichten in diesem Zusammenhang.cite-ref-8-88-0[88] Zu den Beklagten gehörten die Onlineportale 24.hu, 444.hu, das Klubradio, Hirklikk.hu, Economx.hu und Index.hu.cite-ref-8-88-1[88] Anfang April kĂŒndigte die Regierung an, auch den Spar-Konzern wegen „Verleumdung“ zu verklagen.cite-ref-8-88-2[88]

Ein weiterer Fall mutmaßlicher Veruntreuung von EU-Geldern ist das Anwesen Hatvanpuszta nahe OrbĂĄns Heimatort FelcsĂșt, das in ungarischen Medien auch als „OrbĂĄns Versailles“ bezeichnet wird. Der Gesamtwert des luxuriösen Umbaus wird auf umgerechnet sieben bis 45 Millionen Euro geschĂ€tzt. Offiziell gehört das Anwesen OrbĂĄns Vater GyƑzƑ OrbĂĄn, der es 2011 erwarb und nach Angaben der Regierung aus eigenen Mitteln renovieren ließ. Kritiker und investigative Journalisten sehen darin jedoch ein Beispiel politisch motivierter Vetternwirtschaft und verweisen auf enge Verbindungen zu OrbĂĄns Vertrautem LƑrinc MĂ©szĂĄros, der das Anwesen ĂŒber Jahre nutzte. Recherchen legen nahe, dass ĂŒber MĂ©szĂĄros und das Umfeld von Fidesz EU- und Steuergelder in den Ausbau geflossen sind. OrbĂĄn weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck und betont, dass die Immobilie ausschließlich seinem Vater gehöre. Ende August 2025 veröffentlichte der Oppositionspolitiker Ákos HadhĂĄzy Drohnenaufnahmen und Videos, die einen weitlĂ€ufigen GebĂ€udekomplex mit Bibliothek sowie exotischen Tieren auf dem GelĂ€nde zeigen.cite-ref-89[89]cite-ref-90[90] Vertreter der Regierung erklĂ€rten, GyƑzƑ OrbĂĄn betreibe dort einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb.cite-ref-91[91]cite-ref-92[92]

Einwanderungs- und Asylpolitik

Nachdem OrbĂĄn Anfang 2015 eine öffentliche Debatte ĂŒber die WiedereinfĂŒhrung der Todesstrafe in Ungarn gefordert hatte, erteilte er nach Kritik aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern und der Drohung, Ungarn im Fall einer WiedereinfĂŒhrung aus der EU auszuschließen, dieser Thematik eine Absage. Beobachter sind der Ansicht, dass OrbĂĄn verstĂ€rkt Themen der rechtsextremen Jobbik aufgreift, die zu diesem Zeitpunkt laut Meinungsumfragen nur noch knapp hinter seiner Partei Fidesz rangierte. Eine Ă€hnliche Motivation wollten Kritiker auch in der landesweiten Plakatkampagne der Regierung „Wenn du nach Ungarn kommst 
“ ersehen, wo in Ungarn Ankommende – allerdings nur in ungarischer Sprache – ersucht werden, „die ungarische Kultur zu respektieren“ oder „den Ungarn die Arbeit nicht wegzunehmen“.cite-ref-93[93] In den Augen der Kritiker richteten sich diese Aufrufe offenbar gezielt an Einwanderer und seien daher „einfĂ€ltig“, „primitiv“ sowie „menschenunwĂŒrdig“. OrbĂĄn selbst rechtfertigte die Plakatkampagne und entgegnete den Kritikern, sie „richtet sich in erster Linie an Schlepper und betont, dass Ungarn ein freundliches Land ist; sie besagt nicht, dass man nicht hierherkommen darf, sondern dass man die Gesetze einzuhalten hat“.cite-ref-94[94] Gleichzeitig sprach er sich sowohl fĂŒr eine VerschĂ€rfung der ungarischen Einwanderungsgesetze als auch fĂŒr die Option einer Schließung der Grenze zu Serbien aus. Seiner Auffassung nach sind die Ungarn „eine vom Aussterben bedrohte Art“. Zwar sind nach seinen Worten Investoren, KĂŒnstler und Gelehrte aus nicht-christlichen LĂ€ndern willkommen, doch wolle man sich „nicht mit ihnen in der GrĂ¶ĂŸenordnung von Massen vermischen“. Ende Juli 2015 sprach OrbĂĄn an der SommeruniversitĂ€t BĂĄlvĂĄnyos im rumĂ€nischen Băile Tușnad von „Hunderten Millionen Menschen im afrikanischen Hinterland, die der Armut entfliehen“ wollten, und bezeichnete die „Massen illegaler Einwanderer“ als Bedrohung fĂŒr die kulturelle IdentitĂ€t Europas. Er vertrat die Ansicht, Europa solle „weiter den EuropĂ€ern bleiben“, und kritisierte die europĂ€ische Linke, da sie seiner Ansicht nach das Thema Einwanderung zur SchwĂ€chung oder Beseitigung nationaler Strukturen nutzen wolle.cite-ref-95[95]

Am 17. Juni 2015 gab die ungarische Regierung bekannt, dass man, um die Zuwanderung von FlĂŒchtlingen (vor allem Syrer, Iraker und Afghanen, die das Land in den meisten FĂ€llen nur als Transitstation in Richtung Westeuropa nutzen) aus Serbien zu drosseln, die 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien mit einem 4 Meter hohen Zaun abriegeln werde. Die Idee eines Grenzzauns hatte Anfang 2015 erstmals der Jobbik-BĂŒrgermeister der sĂŒdungarischen Grenzgemeinde Ásotthalom, LĂĄszlĂł Toroczkai, ins Spiel gebracht. Kritik erfolgte sowohl aus Serbien, das auf seine Rolle als Transitland hinwies, als auch von einer Sprecherin der EU-Kommission, die an den Abriss von ZĂ€unen und Grenzen in Europa erinnerte.cite-ref-96[96] OrbĂĄn stellte klar, dass Ungarn zwischen politischen FlĂŒchtlingen und jenen, die aus wirtschaftlichen GrĂŒnden einwandern, unterscheide:cite-ref-97[97]

„Wir teilen nicht den Standpunkt der europĂ€ischen Rechtsextremen. Die sind gegen den Islam. Wir ĂŒberhaupt nicht. Wir sind gegen die Einwanderung. Es gibt LĂ€nder, die dieses Risiko eingegangen sind. Wir sind es nicht eingegangen und wollen es auch kĂŒnftig nicht. Wir respektieren, dass Frankreich oder Deutschland einen anderen Weg gegangen sind, aber wir haben ein Recht darauf, dass auch unserer respektiert wird. Wir wollen keine multikulturelle Gesellschaft.“

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Viktor OrbĂĄn, Mai 2015

Im Juli 2016 beschuldigte OrbĂĄn die „EU-Elite“, den von ihm gesehenen Zusammenhang zwischen Einwanderung und Terrorismus zu leugnen. Europa sei „nicht in der Lage, seine BĂŒrger und seine Ă€ußeren Grenzen zu schĂŒtzen“.cite-ref-99[99] Ferner bezeichnete er die FlĂŒchtlingskrise als Hauptgrund fĂŒr den Ausgang des Votums der Briten fĂŒr einen Austritt aus der EU und versprach, es nicht mehr zuzulassen, dass je wieder FlĂŒchtlinge durch Ungarn zögen. Ende August kĂŒndigte er an, den Zaun mit elektronischen Überwachungsanlagen und asphaltierten Wegen fĂŒr die Grenzschutzbeamten zu verstĂ€rken. Diese neue Anlage werde seinen Angaben zufolge auch großen Menschenmengen standhalten können. Zugleich sei nach seinen Worten alles vorbereitet, dass – zusĂ€tzlich zu den bestehenden stacheldrahtbewehrten ZĂ€unen an den Grenzen zu Kroatien und Serbien – jederzeit auch an der rumĂ€nischen Grenze ein solcher Zaun hochgezogen werden könne. Von Zaunmaterial, hergestellt in ungarischen Strafanstalten, habe man, so OrbĂĄn, derart viel auf Lager, dass man bereits „mehrere hundert Kilometer Zaun an Mazedonien, Slowenien und Bulgarien verkauft“ habe.cite-ref-100[100] Anfang Oktober 2016 berichtete Amnesty International, FlĂŒchtlinge wĂŒrden in Ungarn grundlos ĂŒber Wochen und Monate eingesperrt sowie regelmĂ€ĂŸig Opfer von Misshandlungen. Laut Amnesty handele es sich dabei sowie bei dem Fehlen von medizinischer Behandlung beziehungsweise völlig unzureichenden hygienischen VerhĂ€ltnissen in ĂŒberfĂŒllten Lagern um eine gezielte Strategie, FlĂŒchtlinge abzuschrecken.cite-ref-spiegel-online-101-0[101]

OrbĂĄn hatte am 2. Oktober 2016 ĂŒber die EU-Quoten zur Verteilung von Asylbewerbern in einem Referendum abstimmen lassen. (Die Frage lautete: „Wollen Sie, dass die EuropĂ€ische Union auch ohne die Zustimmung des ungarischen Parlaments die verpflichtende Ansiedlung von nichtungarischen StaatsbĂŒrgern in Ungarn vorschreiben kann?“) Obwohl 98 Prozent derer, die sich daran beteiligt hatten, gegen die Quoten stimmten, war das Referendum – trotz der 30 Millionen Euro teuren nationalen Konsultation der Regierungspartei und laut SZ fremdenfeindlichen Propaganda – nach ungarischer Gesetzeslage mangels ausreichender Beteiligung ungĂŒltig, da nur knapp 40 Prozent der Abstimmungsberechtigten einen gĂŒltigen Wahlzettel abgegeben hatten und damit das erforderliche Quorum von 50 Prozent nicht erreicht wurde. Am Folgetag der Abstimmung erklĂ€rte ein Sprecher von Viktor OrbĂĄn, dass das Ergebnis des Referendums „politisch und legal bindend“ sei.cite-ref-102[102] Bei einer Wahlbeteiligung von ĂŒber 50 Prozent wĂ€ren Parlament und Regierung verfassungsmĂ€ĂŸig gezwungen gewesen, die WĂ€hlerentscheidung umzusetzen. Deswegen kĂŒndigte OrbĂĄn an, er werde dem Parlament eine VerfassungsĂ€nderung vorlegen, damit der Wille des Volkes in ein Gesetz gefasst werde und das Ergebnis auch in BrĂŒssel zu Konsequenzen fĂŒhren mĂŒsse.cite-ref-spiegel-online-101-1[101]cite-ref-103[103]

Anfang November 2016 scheiterte auch eine von OrbĂĄn angestrebte VerfassungsĂ€nderung, der zufolge die Ansiedlung von Nicht-EU-BĂŒrgern in Ungarn nur nach ungarischen Gesetzen erfolgen dĂŒrfe. Bei einer Parlamentsabstimmung stimmten nur die 131 Fidesz-Abgeordneten dafĂŒr, womit die erforderliche Zweidrittelmehrheit um zwei Stimmen verfehlt wurde. Der Jobbik-Parteichef GĂĄbor Vona hatte seine Zustimmung von der Abschaffung der Regelung abhĂ€ngig gemacht, die es reichen Nicht-EU-AuslĂ€ndern ermöglicht, sich ein Niederlassungsrecht in Ungarn zu erkaufen. Zu einer derartigen RegelungsĂ€nderung war wiederum OrbĂĄn nicht bereit. Jobbik blieb der Abstimmung daher fern wie auch fast die gesamte linke beziehungsweise liberale Opposition, von der drei anwesende Parlamentarier dagegen stimmten.cite-ref-104[104]

Im Februar 2017 kĂŒndigte OrbĂĄn an, dass Ungarn FlĂŒchtlinge aufnehmen werde, aber nur „wahre FlĂŒchtlinge“. Als Beispiele nannte er BĂŒrger westlicher LĂ€nder: Die „schreckerfĂŒllten deutschen, hollĂ€ndischen, französischen, italienischen Politiker und Journalisten, jene zum Verlassen ihrer Heimat gezwungenen Christen, die ihr Europa in der eigenen Heimat verloren haben, finden es bei uns wieder“.cite-ref-105[105]

Anfang MĂ€rz 2017 stellte OrbĂĄn fest, dass Ungarn „unter Belagerung“ stehe und Migration das „Trojanische Pferd des Terrorismus“ sei. Fast zeitgleich beschloss das Parlament mit breiter Mehrheit, dass kĂŒnftig alle FlĂŒchtlinge ab einem Alter von 14 Jahren fĂŒr die Dauer ihres Verfahrens in Transitzonen an den Landesgrenzen untergebracht werden sollen. Scharfe Kritik kam von BĂŒrgerrechtlern und dem UNO-FlĂŒchtlingshilfswerk UNHCR. Zudem soll bis Mai an der serbischen Grenze ein zusĂ€tzlicher Hochsicherheitszaun mit Bewegungssensoren errichtet werden.cite-ref-106[106]

Die Regierung OrbĂĄn ging auch verstĂ€rkt gegen Organisationen vor, die sich in Ungarn in der FlĂŒchtlingshilfe engagieren und ihre Kosten ĂŒberwiegend aus dem Ausland decken. Offiziell war in dem Gesetzesvorhaben (als „Stop-Soros-Paket“ bezeichnet) von „illegalen Migranten“ die Rede. Inhalte waren eine 25-prozentige Strafsteuer und die Befugnis, auslĂ€ndische Mitarbeiter solcher Organisationen des Landes verweisen zu können. OrbĂĄn beschuldigt den sich in der humanitĂ€ren FlĂŒchtlingshilfe finanziell engagierenden US-MilliardĂ€r und gebĂŒrtigen Ungar George Soros, dieser wolle Menschen anderer Kulturen umsiedeln und so Europa seiner „christlichen und nationalen IdentitĂ€t“ berauben.cite-ref-107[107] Die Kampagne gegen Soros wurde bereits 2010 von den Politikberatern der Republikanischen Partei aus den USA Arthur J. Finkelstein und George Eli Birnbaum fĂŒr die Fidesz-Partei entworfen. Finkelstein gehörte laut Magazin zu den Beratern, die „negative Kampagnen“ (Negative Campaigning) durchfĂŒhrten, die WĂ€hlerschaft polarisierten, ein Feindbild erfanden und ein Klima der Angst schĂŒrten. Weil Soros Jude ist, wurde die Kampagne gegen ihn kritisiert, da sie Elemente antijĂŒdischer Verschwörungstheorien aufgreife.cite-ref-108[108]

„In Europa lĂ€uft gerade ein Bevölkerungswechsel. Teilweise deswegen, damit Spekulanten, wie Soros selbst einer ist, viel Geld verdienen können. Sie möchten Europa zerstören, weil sie sich davon große Profite erhoffen. Anderseits haben sie auch ideologische Motive. Sie glauben an ein multikulturelles Europa, sie mögen das christliche Europa nicht, sie mögen die christlichen Traditionen Europas nicht, und sie mögen Christen nicht.“

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Viktor OrbĂĄn, Juli 2018

In einer Rede zur Lage der Nation im Februar 2018 sprach OrbĂĄn sich gegen Migration und eine vermeintliche „Islamisierung“ aus. „Dunkle Wolken“ lĂ€gen ĂŒber Europa und Nationen wĂŒrden „aufhören zu existieren“, weil Europa â€žĂŒberrannt“ werde, ohne dass es sich dessen bewusst sei. Zugleich sprach er vom „Niedergang der christlichen Kultur“, einer „muslimischen Expansion“, richtete VorwĂŒrfe an die Opposition, die ihn nicht unterstĂŒtze, und bekrĂ€ftigte die restriktiven Maßnahmen seiner Regierung.cite-ref-110[110]

Ende 2018 stimmte Ungarn als einer von fĂŒnf Staaten gegen den UN-Migrationspaktcite-ref-111[111] sowie als einer von zwei Staaten gegen den UN-FlĂŒchtlingspakt.cite-ref-112[112]

2019 erhielten in Ungarn nur noch 60 Menschen Asyl oder Ă€hnlichen Schutz, das entspricht 12 Prozent von 500 Antragstellern. 2018 wurden noch 367 von 671 AsylantrĂ€gen, also mehr als die HĂ€lfte, positiv beschieden. In Ungarn können AsylantrĂ€ge nur noch in zwei sogenannten Transitzonen an der serbischen Grenze gestellt werden. Auf Einlass dorthin warten Schutzsuchende Monate oder Jahre. Das ehemalige ungarische Einwanderungs- und FlĂŒchtlingsamt wurde in Landesgeneraldirektion fĂŒr fremdenpolizeiliche Angelegenheiten umbenannt und in die Polizei eingegliedert, somit gibt es seit 2019 keine eigenstĂ€ndige Asylbehörde mehr.cite-ref-113[113]

FĂŒr internationale Kritik sorgte OrbĂĄn mit einer Rede am 23. Juli 2022 vor AnhĂ€ngern im rumĂ€nischen Băile Tușnad.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115]cite-ref-116[116] Dabei warnte der ungarische MinisterprĂ€sident vor einer „Vermischung der Rassen“ in Europa. OrbĂĄn erklĂ€rte, innereuropĂ€ische Ethnien wie jene im Karpatenbecken könnten sich untereinander „vermischen“. Zu einer „Vermischung“ mit Nicht-EuropĂ€ern dĂŒrfe es jedoch nicht kommen:cite-ref-117[117]

„Es gibt nĂ€mlich jene Welt, in der sich die europĂ€ischen Völker mit den Ankömmlingen von außerhalb Europas vermischen. Das ist eine gemischtrassige Welt. [...] Wir sind bereit, uns miteinander zu vermischen, aber wir wollen nicht zu Gemischtrassigen werden.“

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Viktor OrbĂĄn, Juli 2022

Orbán berief sich dabei auf das unter anderem von den Nationalsozialisten genutzte und wissenschaftlich unhaltbare Konzept, dass es unterschiedliche menschliche „Rassen“ gebe.cite-ref-119[119]

In derselben Rede sprach OrbĂĄn auch ĂŒber mögliche EU-GassparplĂ€ne im Zuge der durch den Ukraine-Krieg verursachten Energiekrise. Dabei spielte er auf den Holocaust an:

„Da ist zum Beispiel der neueste Vorschlag der EU-Kommission, der besagt, dass jeder seinen Gasverbrauch verpflichtend um 15 Prozent senken soll. Ich sehe nicht, wie sie das erzwingen wollen, obwohl es dafĂŒr deutsches Know-how gibt. Von frĂŒher, meine ich.“

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Viktor OrbĂĄn, Juli 2022

Beide Aussagen wurden von Politikern und Interessenvertretern innerhalb wie auch außerhalb Ungarns als offen rassistisch verurteilt, darunter auch vom Internationalen Auschwitz Komitee und von Ungarns Oberrabbiner RĂłbert Frölich. Zsuzsa HegedĂŒs, eine langjĂ€hrige Mitstreiterin OrbĂĄns, bezeichnete die Aussagen als „Goebbels-wĂŒrdig“ und trat von ihrem Amt als Beauftragte des ungarischen Regierungschefs fĂŒr gesellschaftlichen Anschluss zurĂŒck.cite-ref-121[121] OrbĂĄn selbst behauptete spĂ€ter, missverstanden worden zu sein: Er verwies darauf, seine Aussagen seien nicht als rassistisch zu verstehen. Vielmehr lehne er Einwanderung von außerhalb Europas aus kulturellen GrĂŒnden ab.cite-ref-122[122]

Anfang August 2022 hielt OrbĂĄn in Dallas/Texas die Eröffnungsrede der Conservative Political Action Conference, eines Treffens Rechtskonservativer, zu dem auch Sarah Palin, Steve Bannon, Marjorie Taylor Greene und Ex-PrĂ€sident Donald Trump als Redner angekĂŒndigt waren. OrbĂĄn setzte „progressive Liberale“ mit Kommunisten gleich, die man „wieder besiegen“ mĂŒsse. Dazu brauche man „eine totale Verteidigung“. Er sei der „einzige migrationsfeindliche politische AnfĂŒhrer auf unserem Kontinent“. Zudem bezeichnete er sich als „altmodischen FreiheitskĂ€mpfer“ und sagte: „Wir brauchen mehr Ranger, weniger Dragqueens und mehr Chuck Norris.“ Über die US-Demokraten Ă€ußerte er: „Sie hassen mich und verleumden mich und mein Land, so wie sie euch hassen und das Amerika, fĂŒr das ihr steht, verleumden.“cite-ref-123[123]

Außenpolitik

Bei seinem Besuch im Dezember 2010 in Bratislava verzichtete OrbĂĄn auf GesprĂ€che mit der an der Regierung beteiligten ungarisch-slowakischen Partei Most–HĂ­d und traf sich stattdessen mit einer nationalkonservativen Partei der ungarischen Minderheit in der Slowakei, der Partei der ungarischen Koalition, was fĂŒr Spannungen mit der slowakischen Regierung sorgte.cite-ref-124[124] Am 24. Juli 2011 hielt OrbĂĄn anlĂ€sslich der Sommerakademie TusvĂĄnyos im rumĂ€nischen SiebenbĂŒrgen eine programmatische Rede, in der er seine Vision von der ungarischen Nation inner- und außerhalb der Staatsgrenzen Ungarns skizzierte.cite-ref-125[125]

BezĂŒglich Trumps Jerusalem-Initiative stoppte Viktor OrbĂĄn am 6. Dezember 2017 per Veto eine beabsichtigte gemeinsame EU-Verurteilung („joint declaration“) der PlĂ€ne Trumps fĂŒr die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels. OrbĂĄn hĂ€lt eine Verurteilung fĂŒr nicht notwendig.cite-ref-126[126] Er erwĂ€gt auch einen Umzug der ungarischen Botschaft nach Jerusalem. Bei einem Treffen mit Vertretern der rechtsextremen belgischen Gruppe Schild & Vrienden im rumĂ€nischen Băile Tușnad im Juli 2018 rief er diese auf, „aufzustehen“ und zu „kĂ€mpfen“.cite-ref-127[127]

OrbĂĄns Regierung unterstĂŒtzt ungarische Minderheiten in den NachbarlĂ€ndern jedes Jahr mit Summen, die umgerechnet im dreistelligen Millionenbereich liegen. Viele Auslandsungarn besitzen die ungarische StaatsbĂŒrgerschaft und ein damit verbundenes Listenwahlrecht.cite-ref-128[128]cite-ref-5-10-2[10]

OrbĂĄn machte sich mehrfach das Einstimmigkeitsprinzip bei der EU-Außenpolitik zunutze, um gemeinsame ErklĂ€rungen aller EU-Staaten mit einem Veto zu verhindern (wie bei der gescheiterten Verurteilung von Folter in Chinacite-ref-129[129] und der verhinderten gemeinsamen Kritik an der Wahl in Venezuelacite-ref-130[130]) oder mit einem Veto zu drohen.cite-ref-131[131]

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine trug OrbĂĄn die von den europĂ€ischen Staaten gemeinsam verhĂ€ngten Sanktionen gegen Russland mit. An Waffenlieferungen an die Ukraine beteiligte er Ungarn nicht und verbot, dass Waffenlieferungen anderer Staaten an die Ukraine ĂŒber ungarisches Territorium liefen.cite-ref-132[132] OrbĂĄn sagte, es sei eine neue Strategie notwendig, die sich auf Friedensverhandlungen konzentrieren solle. GesprĂ€che zwischen den USA und Russland seien notwendig und die EU solle sich „nicht auf die Seite der Ukrainer stellen“, sondern sich zwischen den beiden Lagern positionieren. Er kritisierte den Westen dafĂŒr, dass er vor dem Konflikt die SicherheitsansprĂŒche Russlands ignoriert habe. Mit US-PrĂ€sident Trump und Bundeskanzlerin Merkel, so OrbĂĄn, wĂ€re es zu diesem Krieg nie gekommen.cite-ref-133[133] Am 27. Januar 2025 zog OrbĂĄn sein Veto gegen fortgesetzte EU-Sanktionen gegen Russland zurĂŒck.cite-ref-134[134]

OrbĂĄns Auftritte in NachbarlĂ€ndern, in denen er deren frĂŒhere Zugehörigkeit zu Ungarn betont, sorgten mehrere Male fĂŒr diplomatische Verstimmungen. So machte er 2023 eine Bitte rumĂ€nischer Außenpolitiker öffentlich, bei einer jĂ€hrlich stattfindenden Rede in Băile Tușnad auf rumĂ€nische GefĂŒhle RĂŒcksicht zu nehmen, und erklĂ€rte, er habe nie behauptet, SiebenbĂŒrgen und das Szeklerland seien rumĂ€nische territoriale Einheiten. Über die Slowakei sagte er, diese sei „1918 von Ungarn abgetrennt worden“, was deren Außenministerium richtigstellte.cite-ref-135[135] Die rumĂ€nische Regierung bestellte daraufhin den ungarischen Botschafter ein.cite-ref-136[136] Der Vizechef der PNL lobte RumĂ€niens Außenministerin Luminița Odobescu dafĂŒr, dass sie OrbĂĄn in puncto Themenwahl in die Schranken gewiesen und damit „mehr Mumm als zehn MĂ€nner“ unter Beweis gestellt habe.cite-ref-137[137]

Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 stimmte Ungarn gegen eine Resolution der UN, die einen Waffenstillstand forderte.cite-ref-138[138]

Der autokratisch regierende StaatsprĂ€sident der Volksrepublik China, Xi Jinping, besuchte im Mai 2024 nach GesprĂ€chen in Paris auch Orbancite-ref-139[139] und den serbischen PrĂ€sidenten Aleksandar Vučić.cite-ref-140[140]cite-ref-141[141]

Im Februar 2025 empfing OrbĂĄn die AfD-Chefin Alice Weidel in seinem Amtssitz. Dieses Treffen habe, so tagesschau.de, unter anderem aufgrund der wehenden ungarischen und deutschen Fahnen, wie ein Staatsbesuch gewirkt. Es sei fĂŒr ihn mittlerweile „vollkommen klar, dass die AfD die Zukunft“ sei, sagte OrbĂĄn.cite-ref-142[142] Nachdem der deutsche Verfassungsschutz Ende April 2025 die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft hatte, schrieb OrbĂĄn in sozialen Medien: „Was zum Teufel ist in Deutschland los?“ An Weidel gerichtet fĂŒgte er hinzu: „Sie können sich auf uns verlassen.“cite-ref-143[143]

Orbåns Regieren wÀhrend der COVID-19-Pandemie

Orban behauptete im MĂ€rz 2020 kurz nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie, es gebe die „Frontlinie namens Migration und es gibt die der Coronavirus-Epidemie“. „AuslĂ€nder“ – Migranten ĂŒber die Iran-Route – und auch auslĂ€ndische Studenten hĂ€tten das Virus nach Ungarn gebracht. Daher habe man die UniversitĂ€ten geschlossen. Der Politologe PĂ©ter KrekĂł vom Budapester Institut Political Capital sagte, die Regierung und ihr nahestehende Medien suchten nach SĂŒndenböcken, weil das Gesundheits- und das Bildungswesen am meisten „unter der restriktiven Fiskalpolitik der Regierung [
] gelitten“ hĂ€tten.cite-ref-144[144]

OrbĂĄn ließ sich vom Parlament mit umfassenden Sondervollmachten gegen die Pandemie ausstatten, die es ihm ermöglichten, ohne zeitliche Befristung mittels Verordnungen zu regieren. WĂ€hrend des verhĂ€ngten Notstands durften keine Wahlen und Referenden stattfinden. Strafen fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen QuarantĂ€nebestimmungen sowie fĂŒr das Verbreiten von Falschnachrichten wurden massiv verschĂ€rft. Journalisten Ă€ußerten die BefĂŒrchtung, dass ihnen wegen kritischer Berichterstattung Haftstrafen drohen könnten. Kritiker sahen in den Notstandsverordnungen eine Instrumentalisierung der Corona-Krise, mit der OrbĂĄn seine Machtstellung ausbauen wolle.cite-ref-145[145] Jan Puhl befand im Spiegel, OrbĂĄn habe „eine Diktatur geschaffen, die ihre Gegner nicht umbringt, aber gnadenlos kaltstellt – und das mitten in Europa“.cite-ref-146[146]

In einem Brief an die Spitzen mehrerer Mitgliedsparteien der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP) warf OrbĂĄn Ende MĂ€rz 2020 dem Parteivorsitzenden Donald Tusk, der als Kritiker OrbĂĄns gilt, vor, er bediene sich der Sprache von „europĂ€ischen Liberalen und Linken“. Tusk solle dazu gedrĂ€ngt werden, nicht weiter „die Saat der Spaltung zu sĂ€en“. Tusk seinerseits beschuldigte OrbĂĄn in einem Schreiben an die Spitzen der EVP-Parteien daraufhin, die „Pandemie zu benutzen, um einen permanenten Ausnahmezustand zu schaffen“; das sei „politisch gefĂ€hrlich und moralisch inakzeptabel“.cite-ref-147[147]

Weiterregieren unter neuem Notstand nach Angriff Russlands auf die Ukraine

Nach der Parlamentswahl in Ungarn im April 2022, bei der sich die Fidesz erneut eine Zweidrittelmehrheit sicherte, wurde OrbĂĄn am 16. Mai 2022 erneut zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt und noch am selben Tage auf seine fĂŒnfte Amtszeit vereidigt.cite-ref-148[148] Nachdem das Parlament wenige Tage spĂ€ter eine VerfassungsĂ€nderung aufgrund des Krieges in der Ukraine herbeigefĂŒhrt hatte, rief OrbĂĄn aufgrund des neuen Gesetzes einen Notstand aus. Deswegen war es nach dem Auslaufen des Coronanotstands möglich, weiterhin per Verordnung regieren zu können, um – so die BegrĂŒndung – auf die Herausforderungen durch den Krieg reagieren zu können.cite-ref-149[149] Vor der Wahl hatte OrbĂĄn die Abgabenlast fĂŒr potentielle WĂ€hler gesenkt, indem er Energie und Lebensmittel subventionierte, gĂŒnstige Kredite fĂŒr Autos und Wohnungen vergab und kleinen und mittleren Verdienern die Einkommensteuer zurĂŒckerstatten ließ. Dies ging zulasten der HaushaltsmittelgrĂ¶ĂŸe der Gesundheits- und Bildungssektoren, weshalb Investitionen in KrankenhĂ€user und Schulen ausblieben. Im Jahr 2022 entmachtete er die Ärztekammer. In Ungarn erreichte die Inflation mit 24 Prozent einen Spitzenwert in der EU (Stand MĂ€rz 2023).cite-ref-7-44-1[44]

Haltung zum Angriff Russlands auf die Ukraine

OrbĂĄn betrieb ab der Annexion der Krim im MĂ€rz 2014 ein Doppelspiel mit EU-Sanktionen. Er kritisiert seit 2014 die HandelsbeschrĂ€nkungen, die die EU Russland nach der Krim-Annexion auferlegt hat. Gelegentlich drohte er mit einem Veto – stets dann, wenn es um politische GegengeschĂ€fte ging. Ungarn trug letztendlich alle Sanktionen mit.cite-ref-150[150]

OrbĂĄn ist der einzige EU-Regierungschef, der auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 enge Beziehungen zum Kreml unterhĂ€lt.cite-ref-ts1512-151-0[151]

In einer RegierungserklĂ€rung am 18. Februar 2023 sagte er, dass er den russischen Überfall als lokalen Konflikt betrachte, bei dem es keine eindeutigen Opfer und TĂ€ter gebe. Vielmehr fĂŒhrten die Truppen zweier slawischer LĂ€nder einen begrenzten Krieg, der „ihr Krieg, nicht der unsrige“ sei.cite-ref-152[152] Ende Oktober 2023 sprach sich OrbĂĄn gegen den innerhalb der EU vorgelegten Vorschlag aus, der Ukraine 50 Milliarden Euro an Hilfe zu gewĂ€hren.cite-ref-153[153] OrbĂĄn machte seine Zustimmung zu den EU-Ukrainehilfen von der vollstĂ€ndigen Auszahlung der EU-Mittel fĂŒr Ungarn abhĂ€ngig, die wegen Rechtsstaatsverfehlungen weiter zurĂŒckgehalten werden.cite-ref-ts1512-151-1[151] Im Dezember 2023 ĂŒbernahm Orban das Narrativ des russischen Staates, dass es sich bei dem Russland-Ukraine-Krieg lediglich um eine MilitĂ€roperation handle, mit der BegrĂŒndung, dass keine KriegserklĂ€rung ausgesprochen worden sei: „Das ist eine Operation, solange es keine KriegserklĂ€rung zwischen den zwei LĂ€ndern gibt [
] Wir sind froh, dass es kein Krieg ist.“cite-ref-154[154] Ende September 2025 sagte OrbĂĄn im Zusammenhang mit Sichtungen mutmaßlich ungarischer Drohnen ĂŒber der Ukraine, die Ukraine sei „kein unabhĂ€ngiges Land“, daher solle sie sich „nicht verhalten, als sei sie ein souverĂ€ner Staat“. Ohne westliche Finanz- und MilitĂ€rhilfe „wĂŒrde die Ukraine untergehen“.cite-ref-155[155] Im Dezember 2025, wĂ€hrend der Diskussionen ĂŒber die eingefrorenen russischen Vermögen, sprach er sich gegen deren Verwendung aus und erklĂ€rte, es sei nicht einmal klar, wer wen angegriffen habe.cite-ref-156[156]

Haltung zum NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands

Viktor Orban versicherte zum Jahresende 2022, das ungarische Parlament werde in der ersten Session von 2023 die Ratifizierung des NATO-Beitritts Schwedens und Finnlands auf die Tagesordnung setzen.cite-ref-157[157] Am 27. MĂ€rz 2023 stimmte das ungarische Parlament dem finnischen NATO-Beitritt zu.cite-ref-158[158] Am 26. Februar 2024 stimmte das ungarische Parlament als letztes verbliebenes Parlament mehrheitlich fĂŒr die von MinisterprĂ€sident OrbĂĄn empfohlene Aufnahme Schwedens in die NATO.cite-ref-159[159]

Haltung zu Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Ukraine

Orban sagte einen Tag vor dem Beginn von Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Ukraine, Ungarn sei mit diesem Beitrittsprozess nicht einverstanden, „aber wir blockieren ihn nicht und unterstĂŒtzen den Start der Verhandlungen.“ Die GesprĂ€che seien „ein rein politisch motivierter Prozess“.cite-ref-160[160]

EU-RatsprÀsidentschaft und Versuch einer Vermittlung zwischen Ukraine und Russland

Ungarn hat im zweiten Halbjahr 2024 turnusgemĂ€ĂŸ den Vorsitz im Rat der EuropĂ€ischen Union. Im Juli 2024 reiste OrbĂĄn nach Moskau, um dort nach eigenen Angaben vermittelnde FriedensgesprĂ€che mit dem russischen StaatsprĂ€sidenten Wladimir Putin zu fĂŒhren,cite-ref-161[161]cite-ref-38-162-0[162] nachdem er sich zuvor, ebenfalls im Juli, mit dem ukrainischen StaatsprĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew getroffen hatte.cite-ref-36-163-0[163]cite-ref-38-162-1[162] Der EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell kommentierte, OrbĂĄn habe vom „EU-Rat kein Mandat fĂŒr einen Besuch in Moskau erhalten“ und OrbĂĄn vertrete in diesem Fall nicht die EU. Der Vorsitz beinhalte „keine Außenvertretung der Union“. Diese falle in die ZustĂ€ndigkeit des PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Rates und auf Ministerebene in die des Hohen Vertreters der Union fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik. Die Positionen der EU-Kommission zum russischen Krieg gegen die Ukraine schlössen laut Borrell offizielle Kontakte zwischen der EU und dem russischen StaatsprĂ€sidenten aus.cite-ref-164[164] Zuvor hatte OrbĂĄn seinen Vermittlungsversuch mit seiner EU-RatsprĂ€sidentschaft in Verbindung gebracht.cite-ref-362-165-0[165] EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen sagte, sie sehe den Alleingang OrbĂĄn als Gefahr fĂŒr die GlaubwĂŒrdigkeit der EuropĂ€ischen Union.cite-ref-orf-166-0[166] Der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico lobte OrbĂĄn fĂŒr dessen umstrittene Moskau-Reise.cite-ref-167[167]

Nach dem NATO-Gipfel in Washington traf OrbĂĄn Mitte Juli 2024 wieder mit Donald Trump in dessen Privatresidenz Mar-a-Lago in Florida zusammen.cite-ref-9-168-0[168] Im Zuge seiner „Make Europe Great Again“-Kampagne wurden Vorbehalte gegen die Rolle der NATO-LĂ€nder bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine („FriedensbemĂŒhungen 3.0“cite-ref-169[169]cite-ref-170[170]) geĂ€ußert.cite-ref-171[171]cite-ref-9-168-1[168] 63 EU-Abgeordnete forderten daraufhin, Ungarn das Stimmrecht im Rat der EU im Rahmen des gegen das Land laufenden Artikel-7-Verfahrens abzuerkennen.cite-ref-10-172-0[172] Ungarisch geleitete informelle Ministertreffen wĂŒrden ab sofort von der Kommission in der Form boykottiert, dass sie nur noch unter Beteiligung ranghoher Beamter anstelle der ĂŒblichen Kommissarsbeteiligung abgehalten werden.cite-ref-173[173]cite-ref-174[174] Das EU-Parlament verabschiedete eine – nicht bindende – Resolution, in der OrbĂĄn ein Verstoß gegen die EU-VertrĂ€ge und die gemeinsame Außenpolitik der EU vorgeworfen wird.cite-ref-11-175-0[175]

Die erste informelle Tagung der EU-Ministerinnen und -Minister nach der Sommerpause 2024 wurde als Reaktion auf das Verhalten des ungarischen MinisterprĂ€sidenten nach BrĂŒssel verlegt.cite-ref-176[176]

Politische Einordnung von deutscher Seite

Ein Arbeitsgruppenbericht der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik kam im Jahr 2015 zum Schluss, dass Ungarn nach fĂŒnf Jahren unter OrbĂĄn ein freiheitlicher und demokratischer Rechtsstaat sei,cite-ref-177[177] jedoch systematische SchwĂ€chen aufweise.cite-ref-178[178]

Im April 2020 kommentierte die DGAP-Direktorin: „Dass Viktor OrbĂĄn in Ungarn seine autoritĂ€re Macht in demokratiegefĂ€hrdender Art und Weise weiter ausdehnt, die EuropĂ€ische Kommission in ihrem Statement dazu Ungarn aber ĂŒberhaupt nicht namentlich erwĂ€hnt, untergrĂ€bt die Wertebasis der EU.“cite-ref-179[179]

Ehrungen

‱ Franz Josef Strauß-Preis der Hanns-Seidel-Stiftung (2001). 2015 forderte der bayerische SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher, OrbĂĄn den Franz-Josef-Strauß-Preis abzuerkennen.cite-ref-180[180] Als BegrĂŒndung nannte Rinderspacher „OrbĂĄns Attacken auf demokratische Grundprinzipien und die SolidaritĂ€tsgrundsĂ€tze der EuropĂ€ischen Wertegemeinschaft“.cite-ref-181[181] 2020 erneuerte Rinderspacher seine Forderung.cite-ref-182[182] Anlass war OrbĂĄns umstrittenes Gesetz, die Rechte des ungarischen Parlaments im Zuge der COVID-19-Pandemie in Ungarn einzuschrĂ€nken.cite-ref-183[183]
‱ Freedom Award des American Enterprise Institute und der New Atlantic Initiative (2001)
‱ Polak Award (2001)
‱ Großkreuz des Ordre national du MĂ©rite (2001)
‱ Förderpreis Soziale Marktwirtschaft (2002)cite-ref-184[184]
‱ MĂ©rite EuropĂ©en (2004)
‱ PĂ€pstlicher Gregoriusorden (2004)
‱ St.-Sava-Orden (2022)cite-ref-185[185]

Privates

Viktor OrbĂĄn ist seit 1986 mit der Juristin AnikĂł LĂ©vai verheiratet. Das Ehepaar hat fĂŒnf Kinder. OrbĂĄn ist Mitglied der ungarischen Reformierten Kirche, seine Frau ist römisch-katholisch.

OrbĂĄn ist der GrĂŒnder des Fußballvereins PuskĂĄs AkadĂ©mia FC.cite-ref-186[186] Sein Wochenendhaus steht in direkter Nachbarschaft zur Arena.cite-ref-0-77-3[77]cite-ref-4-85-1[85] Er spielte 1983 die Nebenrolle eines Fußballers und RĂ€ubers in dem ungarischen Familienfilm „Der arme Johnny und Prinzessin Arnika“.cite-ref-187[187]cite-ref-188[188]

Siehe auch
Literatur

‱ Ellen Bos, Das System Orbán. Antipluralismus in Aktion, in: Osteuropa, 3–5/2018, S. 19–32.
‱ György Dalos: Das System OrbĂĄn. Die autoritĂ€re Verwandlung Ungarns. C. H. Beck, MĂŒnchen 2022, ISBN 978-3-406-78209-1.
‱ LĂĄszlĂł J. Györi, König Ubu in Ungarn. Viktor OrbĂĄns „Totalangriff“ auf die Kultur. In: Osteuropa, 3–5/2018, S. 283–296.
‱ Igor Janke: Viktor OrbĂĄn. Ein StĂŒrmer in der Politik. Übersetzung aus dem Polnischen. Schenk, Passau 2014, ISBN 978-3-944850-14-6.cite-ref-189[189]
‱ Paul Lendvai: Orbáns Ungarn. Überarbeitete und erweiterte Auflage. Kremayr & Scheriau, Wien 2021, ISBN 978-3-218-01261-4.
‱ Alexander Rasthofer: Libralismus und Kommunitarismus in der Staatsphilosophie Ungarns unter Viktor Orbán und Fidesz. In: Ungarn-Jahrbuch, Bd. 39 (2023), S. 185–268.
‱ Zsuzsanna SzelĂ©nyi: Tainted Democracy: Viktor OrbĂĄn and the Subversion of Hungary. C. Hurst, London 2022, ISBN 978-1-78738-802-4.
‱ Reinhold Vetter: Nationalismus im Osten Europas: Was Kaczynski und OrbĂĄn mit Le Pen und Wilders verbindet. Christoph Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-939-1, S. 67–102 (= LĂ€nderanalyse: Ungarn).

Weblinks

Commons

: Viktor OrbĂĄn

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikinews: Viktor OrbĂĄn

– in den Nachrichten

‱ Website von Viktor Orbán (ungarisch, englisch)
‱ Die Weltwoche: Biografien: TorhĂŒter Europas
‱ Rezension von Jankes Orbán-Biografie in Cosmopolis https://cosmopolis.ch/de/viktor-orban/
‱ Der Spiegel: Der SeiltĂ€nzer von Budapest
‱ Der Spiegel Artikel-Dossier zu Viktor Orbán
‱ Reuters Factbox – RegierungsplĂ€ne von Fidesz unter OrbĂĄn (englisch)
‱ Orbán in Baile Tusnad: Redetext (ungarisch/deutsch; PDF; 329 kB)
‱ Direkt36: Investigativ-Portal zu GeschĂ€ftspraktiken von OrbĂĄns Verwandten und Vertrauten (englisch)
‱ Thomas Gutschker, Friederike Haupt, Georg Paul Hefty; Volker Zastrow: Es gibt ein verborgenes Europa. Viktor OrbĂĄn im GesprĂ€ch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. MĂ€rz 2012, abgerufen am 5. MĂ€rz 2012 (Interview mit OrbĂĄn zur Europapolitik).
‱ zeit.de vom 19. Juli 2014: Ungarn riskiert die Staatspleite

Einzelnachweise

cite-note-19-11. ↑ Dr. Orbán Viktor. In: parlament.hu. Abgerufen am 1. Mai 2025 (ungarisch).
cite-note-22. ↑ József Debreczeni: Orbán Viktor, Osiris kiadó, Budapest, 2002, ISBN 963-389-443-3.
cite-note-33. ↑ Wochenmagazin der österreichischen Partei SPÖ (Memento vom 16. Januar 2012 im Internet Archive)
cite-note-44. ↑ Viktor Orban als MinisterprĂ€sident Ungarns wiedergewĂ€hlt. In: Die Welt. 10. Mai 2014, abgerufen am 10. Mai 2010.
cite-note-55. ↑ tagesschau.de: Mit Schrammen in die vierte Amtszeit. Abgerufen am 28. Juni 2022.
cite-note-66. ↑ Meret Baumann: Der politische Newcomer Peter Magyar treibt Ungarns Regierung vor sich her – fĂŒr Viktor Orban wird es ungemĂŒtlich. Neue ZĂŒrcher Zeitung, 25. Oktober 2024. Abruf am 4. Januar 2025.
cite-note-77. ↑ „Ärmstes, korruptestes Land“: OppositionsfĂŒhrer rechnet in Neujahrs-Video mit OrbĂĄn ab. Focus Online, Abruf am 4. Januar 2024.
cite-note-6-88. ↑ Tagesschau: Viktor Orban, Populist und Alleinherrscher? Viktor Orban, Populist und Alleinherrscher? (Memento vom 29. April 2010 im Internet Archive), abgerufen am 30. Juni 2013.
cite-note-99. ↑ Keno Verseck, Der Spiegel: Militarisierung in Ungarn: Viktor OrbĂĄns KriegsgeflĂŒster – Der Spiegel – Politik. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
cite-note-5-1010. ↑ Keno Verseck: Orbáns Sehnsucht nach einem neuen Groß-Ungarn. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
cite-note-1111. ↑ Roger de Weck: Die Kraft der Demokratie. Eine Antwort auf die autoritĂ€ren ReaktionĂ€re. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-42931-0, S. 14.
cite-note-1212. ↑ Playing on distance: a relational rhetorical analysis of Viktor Orbán's Euroscepticism. Abgerufen am 24. April 2024.
cite-note-1313. ↑ Keno Verseck: Abschied von Europa. In: Focus. 24. Juli 2023, abgerufen am 26. Juli 2023.
cite-note-1414. ↑ Viktor Orban 'Greater Hungary' scarf angers Romania and Ukraine. BBC News, 22. November 2022, abgerufen am 26. Juli 2023.
cite-note-mo-1515. ↑ Pieter Stockmans: How Viktor Orbán is annexing the Hungarian minority in Romania. Mondiaal Nieuws, 7. Januar 2023, abgerufen am 26. Juli 2023.
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cite-note-180180. ↑ Orban soll Franz-Josef-Strauß-Preis aberkannt werden. In: Die Welt. 4. September 2015, abgerufen am 4. September 2015.
cite-note-181181. ↑ Orban soll Franz-Josef-Strauß-Preis aberkannt werden. BR24, 4. September 2015, abgerufen am 4. September 2015.
cite-note-182182. ↑ Orban den Franz-Josef-Strauß-Preis aberkennen. In: Frankfurter Rundschau. 31. MĂ€rz 2020, abgerufen am 31. MĂ€rz 2020.
cite-note-183183. ↑ Christine Schröpf: SPD fordert von CSU Distanz zu Orban. In: Mittelbayerische Zeitung. 31. MĂ€rz 2020, abgerufen am 31. MĂ€rz 2020.
cite-note-184184. ↑ vom Wirtschaftspolitischen Club Deutschland
cite-note-185185. ↑ Orban bekommt höchste Auszeichnung der serbischen Kirche. In: domradio.de. 7. September 2022, abgerufen am 1. Juli 2023.
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cite-note-187187. ↑ SzegĂ©ny Dzsoni Ă©s Árnika (1983) - IMDb. Abgerufen am 20. Januar 2025.
cite-note-188188. ↑ SzegĂ©ny Dzsoni Ă©s Árnika. OrbĂĄn Viktor jelenetei. 29. Oktober 2019, abgerufen am 20. Januar 2025.
cite-note-189189. ↑ siehe auch die (wenig zustimmende) Rezension von Michael Frank: Und so beschloss er, Populist zu werden. Unfreiwillige Selbstentlarvung des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor OrbĂĄn. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 17. Juni 2014, S. 13.